Mrz 27 2008

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Gewerbe, kein Gewerbe, GbR, kein GbR, …

Veröffentlicht von Abgelegt unter Hausplanung

Mit unserer Solaranlage werden wir Strom erzeugen und dank der Förderung durch die Bundesregierung gewinnbringend (!) an den Netzbetreiber verkaufen. Aber schon der Weg dahin ist nicht ganz so einfach.
Wenn man etwas verkauft und auch noch regelmäßig und viel, dann muss man in Deutschland ein Gewerbe anmelden. Das ist eigentlich auch beim Strom so. Allerdings hat die Bundesregierung wohl erst einige Zeit, nachdem sie das Förderprogramm für den Solarstrom gestartet hatte, den immensen Verwatungsaufwand erkannt, den die vielen Millionen Hausbesitzer in Deutschland verursachen würden, die sich eine Solaranlage auf das Hausdach stellen. Denn jeder dieser Hausbesitzer müsste ja ein Gewerbe anmelden. Also hat man eine Vereinfachung eingeführt. Private Hausbesitzer, die eine kleine Solaranlage betreiben, machen das zwar gewerblich (mit allen Vorteilen wie Erstattung der Mehrwertsteuer), aber müssen nicht zwingend ein Gewerbe bei der zuständigen Stadt oder Gemeinde anmelden. So weit so gut. Dass es trotzdem für uns nicht ganz so einfach ist, habe ich in der letzten Woche feststellen dürfen.

1. Akt

Bei der Anfertigung der Einkommensteuererklärung 2006 habe ich mit unserer Steuerberaterin auch diskutiert, welche Auswirkung unser neues Haus haben wird und dass wir demnächst auch eine Solaranlage haben werden. Da diese Anlage (wie oben beschrieben) gewerblich betrieben wird und wir den Strom, der hoffentlich durch die Anlage fließen wird, auch gerne verkaufen wollen, können wir das aber im Voraus auch schon steuerlich geltend machen. Für die Anschaffung der Anlage werden wir eine Rücklage bilden. Und für die Rücklage brauchen wir unbedingt ein angemeldetes Gewerbe ?Ä“ sagt die Steuerberaterin, und zwar jetzt gleich. Also hat Anja den Schein bei der Gemeinde besorgt, ich habe alle Daten eingetragen, und da bisher immer ich alle diese Sachen gemacht habe, habe ich das Gewerbe nur für mich angemeldet. Diese Anmeldung kostet dann gleich mal 20 EUR. Glücklicherweise kann man die Anmeldung auch gleich vor Ort in Gögglingen wieder abgeben.

2. Akt

Anja hat einen Anruf von der Stadt Ulm, Gewerbeamt bekommen. Es geht um die meine Anmeldung meines neuen Gewerbes. Offensichtlich hat man bei der Stadt erkannt, dass es sich um eine Photovoltaikanlage handelt. Wie oben schon erklärt, muss man bei diesem Zweck nicht unbedingt ein Gewerbe anmelden, und bei meinem Rückruf erklärt mir der Beamte, dass die Anlage sogar eine gewisse Mindestgröße haben muss, damit ich überhaupt ein Gewerbe anmelden darf. Da wir bei unserem neuen Entwurf ein relativ großes Dach haben werden, welches wir VOLLST?“NDIG mit Solarmodulen bestücken werden, überschreiten wir diese Mindestgröße locker. Der Beamte ist zufrieden und ich darf also das Gewerbe anmelden.

3. Akt

Anja hat wieder einen Anruf von der Stadt bekommen. Derselbe Beamte hat mittlerweile entdeckt, dass ich ja bereits ein Gewerbe angemeldet habe (als Unternehmensberater) und informiert Anja, dass er die Stromerzeugung einfach in das andere Gewerbe mit aufnimmt. Das kostet natürlich trotzdem Geld, denn die Stadt muss ja ihre Angestellten irgendwie bezahlen.

4. Akt

Da ich mittlerweile bei allen Steuersachen vorsichtig geworden bin, frage ich sicherheitshalber bei meiner Steuerberaterin nach, ob das denn richtig ist, wenn meine Tätigkeit als Unternehmensberater zusammengelegt wird mit der Stormerzeugung. Dabei stellt sich heraus, das dass (natürlich?) nicht richtig war, denn ich sollte das Gewerbe eigentlich auf Anja und mich anmelden. Und dann ist es kein Gewerbe mehr, sondern wir werden eine GbR bilden (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Und in diesem Fall kann die Tätigkeit auch nicht mit meinem anderen Gewerbe zusammengelegt werden.

Seuffzz.

Ein drohendes Unheil ahnend habe ich sofort versucht, den Herrn vom Gewerbeamt telefonisch zu erreichen; dieser ist bereits im Osterurlaub, aber seine nette Kollegin hilft mir. Die Bescheinigung liegt glücklicherweise noch im Post-Ausgangskorb; die Angestellte nimmt die Benachrichtigung wieder aus dem Ausgangskorb und schlägt vor, dass ich in das Büro des Gewerbeamtes in der Stadt komme, um die ganze Sache sehr unbürokratisch auf Anja und mich umzuschreiben. Das hört sich doch mal sehr erfreulich an. Das Gewerbeamt hat speziell donnerstags verlängerte Öffnungszeiten, sodass ich auf dem Rückweg von meiner Arbeit in Stuttgart dort dann vorbeigehen kann.

5. Akt

Der Tag beginnt so gut: Wie geplant komme ich noch rechtzeitig innerhalb der regulären Öffnungszeiten in das Büro des Gewerbeamtes in Ulm. Dieselbe nette Angestellte holt meinen Vorgang heraus, fragt vorsichtshalber auch noch einmal nach, ob wir denn auch wirklich mehr als 5kWp-Strom produzieren werden; wir ändern die Daten.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch Anjas Unterschrift. Doch dann begehe ich den Fehler in einem Nebensatz zu erwähnen, dass die Solaranlage frühestens im Juni oder Juli in Betrieb gehen wird, und dann auch nicht an unserem jetzigen Wohnort, der in der Anmeldung steht, sondern in einer völlig anderen Gemeinde.

Blöder Fehler.

Für diese Gemeinde ist weder die Angestellte, noch die Stadt Ulm zuständig. Also kann ich auch kein Gewerbe, keine GbR oder sonst irgendetwas anmelden. Also war die gesamte Arbeit umsonst. Die nette Angestellte wird noch dafür sorgen, dass ich die 20 EUR zurückbekomme.

Aber eine Gewerbeanmeldung für unsere Solaranlage habe ich leider trotzdem noch nicht.

Wie wird es weitergehen? Werden Anja und Bernhard doch noch eine GbR anmelden dürfen? Werden sie Strom produzieren? Wird die Gemeinde Illerkirchberg eine GbR annehmen, obwohl noch gar kein Wohnort in dieser Gemeinde existiert? Die Antwort auf diese Fragen und viele weitere werden Sie in Kürze hier erfahren, bei ?Ä?Soap ?Ä“ Wie verbrate ich möglichst viel meiner Freizeit ohne ein Ergebnis zu erzielen!?Ä?

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